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Frühjahrskonzert „Über den Wolken"

 

konzert2013

 

Marbach das Tor zur Welt?!

Diese Aussage scheint doch recht vermessen. Wer jedoch am Abend des Palmsonntags die Marbacher Ortsmitte mit dem angrenzenden Konrad-Trageser-Haus passierte, wurde von Stimmengewirr, Boardingansagen und Flugzeuglärm eines Großflughafens überrascht. Der Musikverein Marbach hatte es sich unter dem Motto „Konzert über den Wolken“ zur Aufgabe gemacht den Zuhöreren musikalisch die weite Welt zu zeigen. Kapitän Andreas Raub führte das Publikum unterstützt von den charmanten Flugbegleiterinnen Carolin Balzer und Angelika Hoyer (Bild) in knapp 2 ½ Stunden zielstrebig und pointenreich über vier Kontinente. Die Fluggäste begaben sich auf eine Reise, welche nicht nur musikalisch mit sehr viel Liebe zum Detail geplant wurde. Erst nach mehrmaligen Ausrufen erreichte Boris Costin das startende Flugzeug, sodass unter seinem Dirigat gerade noch rechtzeitig aus dem tosenden Krach der Triebwerke der „Carmen-Marsch“ von Geroges Bizet als musikalischer Start des Flugkonzertes erklang. Zunächst wurde das europäische Festland überflogen, welches vor allem von den Solisten Markus Jahn (Bassklarinette), Steffan Gärth und dem erst 12-Jährigen Moritz Michel (beide Tenorhorn) hervorragend präsentiert wurde. Die komplexe Verflechtung von Elementen der Klassik und des Jazz ließen anschließend „Brust oder Keule“ von Vladimir Cosmas  und die damit verbundene Reise über Frankreich zu einer Delikatesse werden, welche dem Tomatensaft, der auch auf einem musikalischen Flug nicht fehlen durfte, mehr als gerecht wurde. Im Nachtflug überquerten die Musiker der MVM Airways, nur mit Pultleuchten ausgestattet, begleitet von den Klängen des spanischen Schlafliedes „Hijo de la Luna“ das Meer. Nachdem mit „African Symphony“ und dem „Henry Mancini Portrait“ zwei zusätzliche Kontinente passiert wurden und somit der Musikverein Marbach nochmals seine große stilistische Bandbreite um weitere Facetten erweitert hatte, war es notwendig, die von der Flugsicherung vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten. Dies wurde erst durch einen Besatzungswechsel in Form des Schüler- und Jugendorchesters unter Leitung von Markus Jahn möglich. Der Nachwuchs des Musikvereins führte die Zuhörer souverän durch die Chart-Stürmer namentlicher Rock und Pop Größen wie Bon Jovi, Lady Gaga und Leona Lewis. Die von den Zuschauern zurecht geforderte Zugabe der Jungmusiker (Ducktales) mündete in Turbulenzen. Diese zwangen das Flugzeug auf Höhe des Bermudadreiecks zur Notlandung, die Flucht über die Notrutschen, vorbei an Rauchwolken und Notsignalen war neben der Sicherheitseinweisung zu Beginn des Konzertes ein weiteres Highlight der detailverliebten Umsetzung des Mottos.
Der letzte Teilabschnitt der Flugreise führte die Passagiere zusammen mit der ursprünglichen Stammbesatzung nach Nord- und Südamerika. Insbesondere „Eighties Flashback“ von Paul Murtha und der „Soul Bossa Nova“ von Quincy Jones gaben zahlreichen Mitgliedern von MVM Airways die Möglichkeit ihr solistischen Können unter Beweis zu stellen, was durch mehrfachen Szenenapplaus der Zuhörer untermauert wurde. Mit „Moment for Morricone“ bewies der Musikverein Marbach, dass er auch ein fast 8-minütiges Werk mit hohem Schwierigkeitsgrad am Ende eines langen Konzertabends meistern kann. Beim Ansteuern des Heimatflughafens verlangte das begeisterte Publikum zwei Zugaben. Auch hierfür war die Besatzung des Fluges gewappnet, die Passagiere fanden eigens vorbereitete Spucktüten unter ihren Plätzen. Diese beinhalteten den Text des abschließenden Liedes „Fliege mit mir in die Heimat“. So konnten der Musikverein Marbach begleitet von rund 200 leidenschaftlichen und sichtlich gut gelaunten Sängern die Heimat ansteuern.